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BGL-Pressemeldung: Feldversuch zu Lang-Lkw spaltet keineswegs die Transport- und Logistikbranche

Neue Fahrzeugkonzepte sollen effizienteren Transportketten zur Verknüpfung der Verkehrsträger dienen

Frankfurt am Main, 04.03.2011:

Die „Allianz pro Schiene" möchte neuerdings offensichtlich nicht nur ideologisch einseitige Interessen des Schienenverkehrs gegen das Gemeinwohl durchboxen, sie tut dies auch im Mäntelchen eines „Verteidigers der Interessen des deutschen mittelständischen Transport- und Logistikgewerbes". Diesen Schluss mussten zumindest Teilnehmer einer heutigen Veranstaltung der Allianz pro Schiene in Berlin zum geplanten Feldversuch für Lang-Lkw gewinnen.
 
Aus Sicht des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. ist es in höchstem Grade anmaßend, wenn die Allianz pro Schiene nicht nur - wie gewohnt - polemisch Einzelinteressen ihrer Mitglieder vertritt, sondern dies auch im Namen der breit aufgestellten Transport- und Logistikwirtschaft tut. Die angebliche „Mehrheitsmeinung der Lkw-Branche" vertraten in Berlin vornehmlich Vertreter der Gewerkschaft und einzelne (Bahn-)Spediteure. Nach deren Meinung werde die vom BMVBS mit dem Feldversuch erwartete Effizienzsteigerung im Straßengüterverkehr „auf den Knochen der Fahrerinnen und Fahrer ausgetragen". Für den Einzelwagenverkehr auf der Schiene sei der Einsatz von „Riesen-Lkw" existenzbedrohend. Unternehmer, die bisher Schiene und Straße verknüpft hätten, fühlten sich „verschaukelt", weil der Einsatz des „Gigaliners" gegenüber der bisherigen Förderung des kombinierten Verkehrs „die entgegengesetzte Richtung" darstelle.
 
Das Gegenteil ist der Fall: Der Feldversuch soll zeigen, ob und in welchem Umfang umwelteffiziente innovative Fahrzeugkonzepte auf deutschen Straßen alltagstauglich und verkehrssicher zur besseren Verknüpfung der Verkehrsträger eingesetzt werden können. Wirklich innovative Nutzfahrzeugkonzepte haben die Abstimmung der Fahrzeuglademaße mit den gängigen Behältergrößen im Land- und Seeverkehr im Auge. Nur auf diese Weise können Behälter problemlos umsteigen, vor allem von der Straße auf die Schiene, aber auch auf das See- und Binnenschiff. Gerade dies ist heute bei mehr als 90 % der Straßentransportfahrzeuge nicht möglich.
 
Wer wirklich Co-Modalität und mehr Schienenverkehr will, der muss seine ideologische Brille absetzen und den Lkw als Partner ansehen anstatt als zu vernichtenden Gegner - so in einem Internetvideo zu Weihnachten. Mit Schaum vor dem Mund löst man die Probleme des von Wirtschaft und Verbrauchern ausgelösten Verkehrswachstums nicht. Wer in Deutschland sichere Arbeitsplätze will, muss den Güterverkehr effizienter machen. Das geht nur mit co-modalen Konzepten, mit denen die Schiene Behälterverkehre von der Straße auf der langen Strecke übernimmt. Wagenladungsverkehre auf der Bahn sind in weiten Bereichen der Strategie der Eisenbahngesellschaften zum Opfer gefallen, sich aus Flächenverkehren zurückzuziehen. Dies ist nicht die Schuld der Verlader oder gar der Transportdienstleister auf der Straße, sondern eine Entscheidung der Schienenverkehrsunternehmen selbst. Wenn jetzt das Transport- und Logistikgewerbe auf den Umstieg von Behältern setzt, dann ist dies die einzig logische und konsequente Reaktion auf das Versagen einer ideologischen Bahnpolitik.
 
Noch nie in der Geschichte der Verkehrspolitik wurden Fakten durch einen einzelnen Interessenverband derart auf den Kopf gestellt, dass die Grenzen des Anstands und einer seriösen Interessenpolitik überschritten wurden. Einzelinteressen dürfen die Politik nicht daran hindern, die Frage zu beantworten, wie Güterverkehr in Zukunft angesichts hoher Steigerungen der Transportnachfrage multimodal gewährleistet werden kann. Die Beantwortung dieser Frage sollte in Brüssel nicht entschieden werden, ohne dass deutsche Erfahrungen aus dem geplanten Feldversuch informieren möchte, kann diese der Anlage entnehmen.

bgl-positionspapier.pdf