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BGL-Pressemeldung: Keine Subventionen für Fossile der Klimapolitik!

BGL, Frankfurt am Main, 29.04.2011:

BGL fordert unweltfreundlichere und verbrauchsoptimiertere Fahrzeuge und sieht im Vorziehen von Euro VI-Abgasstandards eine umweltpolitische Rolle rückwärts

Wer die Fachpresse und Interviews mit Vorständen der Nutzfahrzeugindustrie aufmerksam studiert, der kann daraus nur den Schluss ziehen: Aktuell kauft das Gewerbe mit Euro V und sogar mit der dazugehörigen EEV-Variante eine Fahrzeuggeneration, die schon ab 2012 nach alter Gewohnheit als „Dreckschleuder" gebrandmarkt wird. Mit „Prozentzahlenspielen", Euro VI-Fahrzeuge emittierten 66 Prozent weniger Partikel und sogar 80 Prozent weniger Stickoxide, versucht die Industrie ihre „neuen" Produkte der Öffentlichkeit und den Transporteuren vor der gesetzlichen Einführungsfrist in 2014 schmackhaft zu machen. Natürlich nicht, ohne gleichzeitig Subventionen zu fordern. Gewaltige Fortschritte werden herbeigerechnet, obwohl diese in der Praxis fast nur marginale Wirkungen erzeugen. Tatsächlich erhöht sich der Abgasreinigungsgrad für Partikelemission von 95 Prozent auf „nur" 97,5 Prozent. Bei Stickoxiden sieht es ein wenig besser aus, dort steigt der Reinigungsgrad von 87,3 Prozent auf immerhin 97,5 Prozent. Das wäre alles wunderbar, müssten die Kunden keinen um 3 bis 5 Prozent höheren Kraftstoffverbrauch und zusätzliches Totgewicht zwischen 200 und 400 Kilogramm akzeptieren. Euro VI ist also in Wahrheit eine Rolle rückwärts im Klimaschutz und deshalb schon vor der Markteinführung ein Fossil.

Die Argumentation hochrangiger Industrievertreter, die neue Fahrzeuggeneration sei für die Luftreinhaltung in unseren Städten „enorm wichtig", klingt schon fast zynisch, wenn die tatsächlichen Verkehrsanteile schwerer Nutzfahrzeuge in den Städten zugrunde gelegt werden. Die marginalen Verbesserungen im Abgasverhalten können rein statistisch gesehen allenfalls etwas an den Stellen hinter dem Komma verändern, aber nichts an den absoluten Luftreinheitsgraden. Endgültig zynisch wird das Ganze unter dem Aspekt, dass bis vor kurzem die gleichen Vertreter der Automobilindustrie in Brüssel für eine Verschiebung von Euro VI eingetreten sind. „Wie denn nun?", fragt der Kunde, der 10.000 Euro mehr auf den Tisch des Hauses legen soll, damit er ein Fahrzeug bekommt, das mehr Kraftstoff verbraucht und fast nur Marginales zum Umweltschutz beiträgt. „Euro VI ? - Nein Danke !" Müsste die Antwort des Marktes lauten. Schließlich plant Brüssel das CO2-optimierte Nutzfahrzeug mit deutlich weniger Kraftstoffverbrauch. Die legislativen Akte sollen dem Vernehmen nach bis 2014 abgeschlossen oder eingeleitet werden. Die gesetzliche Einführung dürfte wohl 2017 oder 2018 kommen.

Man darf fast schon sicher sein, dass unter verkäuferischen Aspekten dann auch diese Termine durch die Nutzfahrzeugindustrie „freiwillig unterboten" werden. Ob sich die Industrievertreter z.B. 2015 noch daran erinnern werden, dass man im Jahr 2011 gegen eine CO2-Initiative der EU war, ist fraglich. Schließlich beweist die Automobilindustrie immer wieder, wie schnell sie im Umsetzen umweltpolitischer Standards ist, wenn es um Verkaufsargumente geht. So war der geregelte Katalysator Anfang der 70-iger Jahre für alle Pkw „unmöglich"; Ende der 80-iger Jahre war der lärmarme Lkw ebenfalls „unmöglich" und trotzdem innerhalb eines halben Jahres machbar. Kürzlich waren 130 Gramm CO2-Emission/km für Pkw aus Sicht der Industrie „unmöglich". Heute, lange vor den gesetzlichen Fristen, sind 99 Gramm/km für „Brot- und Butterautos" der deutschen Hersteller angesagt.

Im Lkw-Geschäft ist nach EU-Vorgaben bis 2014 Euro V und EEV „das Beste" und wird mit guten Verkaufsargumenten angeboten. Ein Vorziehen von Euro VI bliebe ohne die von der Industrie geforderten Subventionen überflüssig wie es vor einigen Jahren Euro IV war. Es war die Industrie, die Euro IV seinerzeit als Zwischenschritt zwischen Euro III und Euro V aus technischen Machbarkeitsgründen gefordert hatte. Die Hersteller übertrafen sich und das Entwicklungspotenzial selbst, als Euro V faktisch zeitgleich mit Euro IV eingeführt wurde - selbstverständlich mit „Subventionen für Innovationen".

Was das Gewerbe wirklich braucht, lässt dagegen auf sich warten: Das sind noch umweltfreundlichere, verbrauchsoptimierte Fahrzeuge. Das Herumdoktern am Auspuff, das man nur noch mit geschönten Prozentzahlen als zielgerechte Umweltpolitik darstellen kann, muss ein Ende haben. Wie heißt doch der Spruch eines - zugegebenermaßen - ausländischen Herstellers: „Nichts ist unmöglich". Die deutsche Nutzfahrzeugindustrie beweist wieder einmal, dass dieser Slogan seine Berechtigung hat.