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Pressemitteilung: Tag des Straßenverkehrs am 22.06.2013

Tag des Straßenverkehrs des Verbandes des Verkehrsgewerbes Südbaden e.V. und der SVG Südbaden eG am 22.06.2013 in Freiburg

Freiburg, 26.06.2013 

Der Verbandsvorsitzende Rolf Dischinger wies beim diesjährigen Tag des Straßenverkehrs - veranstaltet vom Verband des Verkehrsgewerbes Südbaden e.V. und der SVG Südbaden eG - darauf hin, wie wichtig Aus- und Weiterbildung für die Zukunft des Transportlogistikgewerbes seien. Deshalb habe man das Thema auch für die nachfolgende, hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion gewählt. Zudem sprach sich der Verbandsvorsitzende dafür aus, dass die Lkw-Fahrer nicht mehr zum Be- und Entladen missbraucht werden dürften und demzufolge Standzeiten ab drei Stunden von den Transportlogistikunternehmen in Rechnung gestellt werden sollten. Rolf Dischinger konnte aber auch auf verbandspolitische Erfolge verweisen: So habe das kontinuierliche und hartnäckige Intervenieren des Verbandes die Wartezeiten an der schweizerischen Grenze von fünf Stunden auf eine bis zwei reduziert. Fazit: „Die Arbeit hat sich gelohnt!" 

In seinem Grußwort wünschte CDU-MdB Peter Weiß, dass sich das Verkehrsgewerbe bei den Anmeldungen zum Bundesverkehrswegeplan weiter kräftig einmischt, um zu guten Ergebnissen zu kommen. Hier sei vor allem der sechsstreifige Ausbau der BAB 6 zu nennen. Nachdem über viele Jahre der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit vordringlich gewesen sei, sei es nun im Gegenteil dazu der Fachkräftemangel. Dabei sei nicht nur auf verstärkte Aus- und Weiterbildung zu setzen, sondern gegebenenfalls auch auf ausländische Fachkräfte. Im Übrigen höre er aus den Betrieben seit einigen Jahren vermehrt Lob über den hervorragenden Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit. 

Den Gastvortrag hielt Dipl.-Vw. Hans-Paul Kienzler, Bereichsleiter Transport- und Logistikberatung bei der ProgTrans AG, Basel mit dem Thema „Thesen zur Entwicklung des gewerblichen Straßengüterverkehrs - Fahnenflucht oder Kooperation?" Darin legte er zunächst dar, dass der Marktanteil deutscher Fahrzeuge am Straßengüterverkehr in Deutschland kontinuierlich abnimmt. Alleinige Gewinner seien die Lkw aus den EU-Beitrittsstaaten. Dieser Trend würde sich auch in Zukunft fortsetzen. Es sei ein Trugschluss, dass sich dadurch irgendwann der in Deutschland drohende Fahrermangel von selbst erledige. Denn die meisten deutschen Lkw-Fahrer seien im Nah- und Regionalverkehr unterwegs, wo deutsche Sprachkenntnisse unverzichtbar sind. Zudem würden mehr und mehr Dienstleistungen rund um die Logistik angeboten, für die qualifiziertes Personal benötigt werde. Zunehmend würden sich Kooperationen als Lösung durchsetzen. Vorteile böten Kooperationen vor allem im Inlandsmarkt für mittelgroße und auch kleineren Unternehmen. 

Die auf den Gastvortrag folgende Podiumsdiskussion unter dem Titel „Der Kampf um die Köpfe" wurde von Michael Cordes vom Fachmagazin VerkehrsRundschau, München moderiert. Er wies darauf hin, dass kürzlich eine Umfrage unter Logistikunternehmen über die größten Herausforderungen des nächsten Jahrzehnts folgende drei Spitzenreiter ergeben hätte: 66 % nannten Fachkräfte- und Fahrermangel, 55 % Infrastruktur und 53 % den steigenden Kraftstoffpreis. 

Gerald Hensel, Vorsitzender des Ausschusses Berufsbildung beim Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. nannte einen jährlichen Bedarf an aus Altersgründen zu ersetzenden Lkw-Fahrern von 25.000 bis 30.000. Momentan würden etwa 3.000 junge Menschen pro Jahr eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer beginnen und weitere 10.000 bis 12.000 würden „umgeschult". So verbliebe eine Differenz von ca. 15.000. Er appellierte an die Transportlogistikunternehmen, sich noch mehr in der Berufsausbildung zu engagieren. Bisher sei bei Inhabern gerade kleiner Unternehmen oberste Priorität die Kundenberatung und -akquisition gewesen. Jetzt aber sei es genauso wichtig, sich um die Fachkräfte zu kümmern. Auch gebe es viele Bereiche, wo er sich auch eine Berufskraftfahrerin vorstellen könne. Nur 4 % des Fahrpersonals seien jedoch Frauen. Wenn man diesen Anteil um 10 %-Punkte erhöhen könnte, wäre das sehr hilfreich. 

Gunnar Gburek, Bereichsleiter Logistik Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) empfahl den anwesenden Transportlogistikunternehmern: „Führen sie Kundengespräche und zeigen sie, was nötig ist, um die Kraftfahrer zu bezahlen." Transporte seien notwendig für die verladende Wirtschaft. Wenn die Qualität stimme, werde auch der Preis dafür bezahlt. Gleichzeitig warnte er vor einer übermäßig negativen Eigendarstellung der Branche in der Öffentlichkeit, da man sich anderenfalls nicht wundern müsse, wenn die Azubis wegblieben. In Zukunft müsse man dafür sorgen, dass die Fahrer nur noch fahren und nicht mehr laden oder Papiere ausfüllen. Es sei wichtig, dass es in Rechnung gestellt werde, wenn der Fahrer für Ladetätigkeiten gebraucht worden sei. 

Juliane Steudel, Oberregierungsrätin und Leiterin der Außenstelle Württemberg des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) in Stuttgart geht davon aus, dass die Personalsituation im Bereich der Berufskraftfahrer in fünf bis sieben Jahren extrem problematisch werde. Bei Speditionskaufleuten und Lagerfachkräften sei die Lage weniger dramatisch. Die Quote der Ausbildungsbetriebe habe sich erhöht, Ausbildungsmessen und -verbünde würden intensiver genutzt als früher und man gehe vermehrt auch auf Schulen zu. Wichtig sei für Arbeitnehmer neben der Bezahlung auch ein intaktes Betriebsklima sowie das Mitsprachrecht bei bestimmten Entscheidungen z.B. über die Lkw-Ausstattung. Den Transportlogistikunternehmen empfahl sie, in die Ausbildung zu investieren. Es gäbe Förderung vom BAG oder von der Agentur für Arbeit - „Die SVG hilft Ihnen dabei!" 

Christian Ramm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesagentur für Arbeit Freiburg informierte, Hochrechnungen hätten ergeben, dass - wenn sich nichts ändere - bis 2025 bundesweit ein zusätzlicher Fachkräftebedarf von 6,5 Mio. Personen entstehe. Die wichtigsten Handlungsfelder, um dem drohenden Fachkräftemangel beizukommen seien: Schulabbrecher verringern, Ausbildungsabbrecher verringern, Ausbildungsqualität erhöhen und Zuwanderung. Es gebe auch einen hohen Anteil an 25-34-jährigen, die ohne Ausbildung oder Beruf seien. Hier liege ein Schwerpunkt, diese Menschen in Ausbildung zu bringen, da bräuchte die Bundesagentur für Arbeit die Hilfe der Unternehmen. Er empfiehlt den Transportlogistikunternehmen, ihre Zusammenarbeit mit den Schulen weiter zu intensivieren. Schulen böten Praktika an, da mitzumachen sei für die Unternehmen ein Muss. Die Transportlogistik-Branche habe etwas zu bieten: „Man kommt rum, man hat nicht dauernd den Chef hinten dran, und die Tätigkeit, die man ausübt, ist für die Bevölkerung wie für die Wirtschaft unverzichtbar." 

Im Vorfeld des öffentlichen Veranstaltungsteils, zu dem etwa 130 Unternehmer und Gäste gekommen waren, hielten die Organisationen des südbadischen Verkehrsgewerbes ihre internen Jahresveranstaltungen ab. Hierzu berichtete Peter Welling, geschäftsführender Vorstand von SVG und Verband von einem befriedigenden, allerdings gegenüber 2011 rückläufigen Geschäftsjahr, sowohl was das SVG-Geschäft als auch die Stimmung im Gewerbe angeht. Trotz gedämpfter Konjunktur, so auch Welling, sei ein verstärktes Engagement auch der mittelständisch strukturierten Transportbetriebe in Sachen Fachkräfteausbildung von Nöten. Erste sehr positive Aktivitäten seien in 2012 und 2013 erkennbar gewesen, indem 15 südbadische Ausbildungsbetriebe gemeinsam mit Verband und SVG auf der Berufsinfomesse in Offenburg auf einem Gemeinschaftsstand die dreijährige Ausbildung zum/zur Berufskraftfahrer/in bewarben und Mercedes S&G hierzu einen nagelneuen Actros EURO V bereitstellte.

 

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Dipl.-Vw. Peter Welling

 

Sollte nach der nächsten Bundestagswahl ein genereller Mindestlohn eingeführt werden, wäre voraussichtlich auch das Südbadische Taxigewerbe hiervon betroffen. Der stellvertretende Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes e.V. (BZP), Frederick Wilhelmsmeyer berichtete von einem derzeit gezahlten Stundenlohn der Taxifahrer in Deutschland von durchschnittlich ca. 6,50 €, oftmals bestehend aus einem festen und einem umsatzabhängigen Teil. Wenn der fixe Stundenlohn per Gesetz auf 8,50 € angehoben werde, so müssten gemäß einer Studie beim derzeitigen Auslastungsgrad der Taxen und unter Berücksichtigung der Lohnnebenkosten die Fahrpreise um rund 24 % angehoben werden. Auch wenn das Südbadische Lohnniveau leicht oberhalb des Bundesdurchschnitts liegen dürfte, müssten sich Krankenkassen und Kommunen als Tarifpartner des Taxi-Gewerbes auf Fahrpreisanhebungen einstellen.

 

Der Verbandsvorsitzende Rolf Dischinger verabschiedete die zahlreich erschienenen Transportlogistikunternehmerinnen und -unternehmer mit einem Kennedy-Wort: „Einen Vorsprung im Leben hat, wer da anpackt, wo die anderen erst einmal reden."

 

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von links: Gunnar Gburek, Christian Ramm, Juliane Steudel, Gerald Hensel, Hans-Paul Kienzler

Moderation: Michael Cordes

 

Dipl.-Vw. Peter Welling - Tag des Strassenverkehrs 2013

Podiumsdiskussion - Tag des Strassenverkehrs 2013