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Wann kommen die Abbiegeassistenten? Fragt der BGL die Lkw-Hersteller

Transportbranche fordert von Verordnungsgeber, Lkw- und Komponenten-Herstellern endlich konkrete Angebote zum Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer bei Abbiegeunfällen

BGL, Frankfurt am Main, 15.11.2017:

Anlässlich des Welterinnerungstages für Straßenverkehrsopfer am kommenden Sonntag, den 19.11.2017, fordert der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V. in Frankfurt am Main mehr Engagement bei konkreten Angeboten für Abbiegeassistenten.

Abbiegeassistenten, die es derzeit NICHT zu kaufen gibt:

Kein einziger Lkw-Hersteller bietet Abbiegeassistenten an, die im Gefahrenfall automatisch bremsen. Anderslautende Presseberichte sind falsch.

Abbiegeassistenten, die es derzeit FAST NICHT zu kaufen gibt:

Kein einziger Lkw-Hersteller bietet für sein komplettes Sortiment Abbiegeassistenten an, die im Gefahrenfall zumindest den Fahrer automatisch akustisch warnen. Nur ein einziger Lkw-Hersteller bietet ein solches, radargestütztes System für einen Teil seines Sortimentes an. Alle anderen Lkw-Hersteller haben nichts dergleichen im Angebot.

Und was ist mit den Kamera-Systemen?

Die sogenannten Kamera-Monitor-Systeme können bei weitem kein gleichwertiger Ersatz zu automatisch warnenden bzw. automatisch bremsenden Abbiegeassistenten sein, da sie nur über Blickzuwendung funktionieren: Nur wenn der Fahrer den Blick auf diesen Monitor richtet, kann er eine mögliche Gefahrensituation erkennen. Beim Abbiegen muss er allerdings zusätzlich noch ein halbes Dutzend Rückspiegel, den Gegenverkehr, den Querverkehr und den Bereich vor seinem Fahrzeug im Blick haben, um dort Gefahrensituationen zu vermeiden. Er kann also nicht permanent den Kamera-Monitor im Blick haben. Zudem sind sein eigenes Fahrzeug sowie die anderen Verkehrsteilnehmer um ihn herum ständig in Bewegung. Insofern sind automatisch warnende bzw. automatisch bremsende Systeme unverzichtbar.

Die Situation ist dramatisch:

Ich kann das nicht verstehen. Ich habe doch überall hingeschaut - und plötzlich war der Radfahrer da!" Diesen Satz hört man nach Abbiegeunfällen leider viel zu oft. In deren Folge erleiden Radfahrer und Fußgänger vielfach schwere, manchmal sogar tödliche Verletzungen. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, muss man auch die Angehörigen und Hinterbliebenen sowie die Rettungskräfte und Polizisten am Unfallort zu den - wenn auch indirekten - Unfallopfern zählen. Und auch der Lkw-Fahrer gehört dazu: Er muss für den Rest seines Lebens das Wissen um den Unfall ertragen.

Notbehelfe:

Dieses Risiko wollen immer mehr Transportunternehmen und Speditionen ihren Fahrern nicht mehr zumuten. Die Forderung nach Abbiegeassistenten wird unüberhörbar laut. Manch einer greift sogar zur Selbsthilfe. So hat z.B. ein BGL-Mitgliedsunternehmen im bayerischen Ingolstadt mehrere Lkw zusätzlich zu einem Kamerasystem mit Ultraschallsensoren für den Nahbereich rechts des Fahrzeuges, die im Gefahrenfall akustisch warnen, ausgerüstet.

Appell des BGL zum Welterinnerungstag für Straßenverkehrsopfer:

Der BGL ruft alle an der Zulassung und Entwicklung von Abbiegeassistenten beteiligten Institutionen und Firmen dazu auf, ihre Anstrengungen noch weiter zu verstärken und beschleunigt zu praxistauglichen und zuverlässigen Lösungen zu kommen. Der BGL steht hier zu einer engagierten Mitarbeit auf allen Ebenen jederzeit zur Verfügung.

Hintergrund:

Bereits seit mehreren Jahren engagiert sich der BGL gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium, der Bundesanstalt für Straßenwesen, der Berufsgenossenschaft Verkehr, den Nutzfahrzeug-Herstellern und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat mit Nachdruck auf nationaler und internationaler Ebene für die verbindliche Einführung von Abbiegeassistenten. So initiierte er z.B. den "Runden Tisch Abbiegeunfälle" beim Bundesverkehrsministerium, der zur Beauftragung der Bundesanstalt für Straßenwesen mit dem Forschungsauftrag "Abbiege-Assistenzsystem für Lkw - Grundlagen eines Testverfahrens" abgeschlossen anno 2015, führte. Ebenso hat der BGL mit dazu beigetragen, dass das Bundesverkehrsministerium den Abbiegeassistenten auf die Tagesordnung der UNECE (United Nations Economic Commission for Europe) gesetzt hat, und das Thema somit auch auf internationaler Ebene vorangetrieben wird. Außerdem hat der BGL dafür Sorge getragen, dass Abbiegeassistenzsysteme über das Förderprogramm "De Minimis"

  staatlich bezuschusst werden können.

Ein besonderer Erfolg der BGL-Verkehrssicherheitsarbeit (u.a. in Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft Verkehr) war die EU-weit verbindliche Einführung von Fahrzeugassistenzsystemen für alle neuzugelassenen schweren Nutzfahrzeuge ab 01.11.2015. Diese erfolgreiche Arbeit für mehr Verkehrssicherheit möchte der BGL auch beim Abbiegeassistenten fortsetzen.

Ihr Ansprechpartner ist Martin Bulheller, Telefon: 069/7919-277, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!